5, 2011
 
Wunderkammer    
 


Klaus Opwis

Margini: Eine Zugriffs- und Nutzungsanalyse der Jahre 2007 bis 2010



Einführung Seit Juli 2004 ist das Elektronische Archiv der italienischen Widmung (AIDI) unter http://www.margini.unibas.ch online zugänglich. Es bietet allen Benutzern über eine multilinguale Einstiegsseite (italienisch, deutsch, englisch, französisch) den Zugriff auf einen kontinuierlich wachsenden Korpus an Widmungen von den Anfängen des Buchdrucks bis in die Gegenwart. Zu jeder Widmung kann auf die fotografische Reproduktion der Originalausgabe, eine im Volltext abfragbare Transkription und eine zusammenfassende Beschreibung zugegriffen werden. Alle Informationen können ohne Einschränkungen vom Benutzer heruntergeladen werden. Integriert sind eine Reihe weiterer Materialien, darunter insbesondere auch die seit 2007 ausschliesslich online erscheinende Zeitschrift «Margini. Giornale della dedica e altro». Die Zeitschrift erscheint in einer Ausgabe pro Jahr (jeweils im September) und veröffentlicht Artikel, Texte und weitere Materialien zur Widmung und zu anderen Paratexte. AIDI wie auch «Margini» realisieren exemplarische Möglichkeiten der Nutzung digitaler Technologien und Arbeitstechniken in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Grosse Mengen schwer zugänglicher und wenig bekannter Materialien werden verfügbar gemacht und für eine interaktive Nutzung aufbereitet. Die zugrundeliegende Datenbank ermöglicht das Durchsuchen und die Analyse des erfassten Materials von aktuell rund 400 Widmungen nach verschiedenen Kriterien unter Anwendung von rund 100 veränderbaren Parametern. Das realisierte Konzept ist konsequent dem als Open Access bezeichneten Ansatz verpflichtet. Grundprinzip ist die Sicherstellung des freien, unmittelbaren und uneingeschränkten Zugriffs auf Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Publikationen (Müller 2010). Alle Nutzer haben das freie, unwiderrufliche und weltweite Zugriffsrecht sowie die Erlaubnis zur Verwendung, zum Kopieren, zur Weitergabe, zur Übertragung und zur Abbildung unter der Bedingung der korrekten Nennung der Urheber. Diese uneingeschränkte interaktive Nutzung ermöglicht auch eine weltweit kooperative Aufbereitung von Materialien und die inkrementelle Erweiterung der erfassten Datenbestände. Die online Zeitschrift «Margini» hat eine ISSN Nummer (1662-5579) und sie ist erfasst und gelistet im an der Universität Lund gepflegten Verzeichnis von Open Access Zeitschriften (Directory of Open Access Journals, abgek. DOAJ; www.doaj.org). Ende 2010 waren dort rund 3500 Zeitschriften erfasst.
Methode und Statistiken Seit Februar 2007 werden die Zugriffe auf die zugrundeliegende Webseite http://www.margini.unibas.ch mit Hilfe von AWStats erfasst. Dabei handelt sich um eine plattformunabhängige Webanalyse-Software zur Auswertung von Logdateien, die Webserver auf Basis von Besucheranfragen erstellen (vgl. awstats.sourceforge.net). Standardmässig registriert werden unter anderem folgende Daten:
- unterschiedliche Besucher (unique visitors): Eine Person, für die mindestens ein Zugriff auf eine Seite in einer definierten zeitlichen Periode (in der Regel innerhalb von 24 Stunden) registriert ist. Besucher werden über ihre IP-Adressen erfasst. Dies bedeutet insbesondere, dass wenn dieselbe Person innerhalb von 24 Stunden wiederholt von ihrem Rechner auf die Seite zugegriffen hat, sie nur einmal gezählt wird;
- Anzahl Besuche (visits): Anzahl der Zugriffe von allen Besuchern (inklusive Mehrfachzugriffe);
- Seiten (pages): Anzahl der Abrufe einer direkt darstellbaren Seite (etwa eine html-Seite);
- Zugriffe (hits): Anzahl der Abrufe einer elementaren Ressource, z.B. einer Seite, eines Bildes oder etwas beliebig anderem. Jede Seite ist immer auch ein Zugriff, aber nicht umgekehrt. Eine Seite mit 5 individuellen Bildern entspricht 6 Zugriffen, aber nur einer Seite;
- Bytes (bytes): Angabe über die Quantität der heruntergeladenen Materialien (in Bytes).
Die entsprechenden Daten werden tages-, monats- und jahresbasiert erfasst und aufbereitet. Die nachfolgenden Tabellen 1 bis 4 zeigen die monatsbasierte Übersicht dieser Zugriffsstatistiken für die vier Jahre 2007 bis 2010. Die Zugriffsstatistiken machen deutlich, dass sich die Zahl der unterschiedlichen Besucher innerhalb der ersten drei Jahre von 2007 mit N = 3904 bis 2009 mit N = 10774 nahezu verdreifacht hat, um sich dann in 2010 auf diesem Niveau zu stabilisieren (N = 10564). Der gleiche Trend zeigt sich bei der Anzahl der Besuche insgesamt, die von N = 5979 im Jahre 2007 auf N = 14697 im Jahre 2010 zugenommen hat. Setzt man beide Angaben in Relation zueinander, so bedeutet dies, dass zahlreiche der Besucher innerhalb von 24 Stunden wiederholt auf die Seite zugegriffen haben. Die meisten Besuche erfolgen in den Monaten Oktober und November. Verantwortlich für diese Zunahme dürfte die Veröffentlichung der aktuellen jährlichen Ausgabe der Zeitschrift «Margini» sein, die jeweils im September eines Jahres erfolgt.
Tabelle 1 bis 4.   Zugriffsstatistiken für www.margini.unibas.ch für die vier Jahre 2007, 2008, 2009 und 2010

tabelle1



tabelle2



tabelle3



tabelle4


Auch hinsichtlich der übrigen erfassten Angaben zeigen sich über die vier Jahre kontinuierlich steigende Werte. Die Zahl der abgerufenen Seiten (von 103738 in 2007 auf 163084 in 2010) nahm ebenso zu wie die Zahl der Zugriffe im Sinne der Anzahl der Abrufe einer elementaren Ressource (von 340434 in 2007 auf 563225 in 2010) und die Quantität der heruntergeladenen Materialien (Bytes) von 2.71 GB in 2007 auf 7.09 GB in 2010. Nach dieser Übersicht sollen noch einige spezielle Daten dokumentiert werden. Die nachfolgende Tabelle 5 zeigt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Besuchs, gruppiert in verschiedenen Zeitintervallen und unter Angabe der absoluten und relativen Häufigkeiten.
Tabelle 5.   Aufenthaltsdauer beim Zugriff auf www.margini.unibas.ch für die vier Jahre 2007, 2008, 2009 und 2010
tabelle5

Die Angaben dieser Tabelle erlauben Aussagen über den Charakter der Besuche. Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer, die von 193 Sekunden im Jahre 2010 bis 270 Sekunden im Jahre 2008 variiert, dominieren mit einem über die Jahre konstanten Anteil von rund 80% aller Besuche die kurzfristigen Besuche von maximal 30 Sekunden Dauer. Hierbei dürfte es sich typischerweise um Besucher handeln, die beim Googlen/Browsen im Internet wie auch immer auf diese Seite gestossen sind, sich einen flüchtigen Eindruck gemacht haben und die Seite nach wenigen Sekunden bereits wieder verlassen haben. Auf der anderen Seite ist auch der Anteil der lang dauernden Besuche von mehr als 15 Minuten beanspruchen, mit einem Anteil in der Grössenordnung von 6% bis 8% relativ konstant. Hierunter fallen diejenigen Besuche, bei denen sich eine Person intensiv mit den Materialien (AIDI und/oder «Margini») auseinandersetzt und diese Materialien aktiv und zielorientiert nutzt. In absoluten Zahlen umfasst diese Kategorie in 2007 N = 496 Besuche, in 2008 N = 678 Besuche, in 2009 N = 952 Besuche und in 2010 N = 895 Besuche. Die übrigen etwa 12% bis 14% der Besuche fallen in den Zeitraum 30 Sekunden bis 15 Minuten. Ihnen dürfte heterogene Interessen und unterschiedliche Besucherprofile zugrunde liegen. AWStats liefert weitere Daten, die hier nicht im Einzelnen dokumentiert werden sollen, da sie insbesondere eher technische und/oder spezifische Informationen beinhalten: Angaben über die IP-Adressen resp. die Betriebssysteme resp. die Browser der 10 Rechner (Top 10), von denen aus die meisten Zugriffe erfolgen; Angaben darüber, woher die Besucher kamen, unterschieden nach direktem Zugriff/Bookmarks, Links von einer Internet-Suchmaschine (zumeist Google) sowie Links von einer externen Seite oder Angaben darüber, aufgrund welcher Suchausdrücke ein Link erfolgte. Diskussion Die Nutzung digitaler Medien für Lehre und Forschung ist ein aktuelles Thema, nicht nur, aber auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften (vgl. dazu auch die Beiträge in Gasteiner – Haber 2010). Die Zugriffsstatistiken der Webseite http://www.margini.unibas.ch zeigen über mehrere Jahre in verschiedenen Indikatoren einen kontinuierlichen Wachstumstrend. Dies dokumentiert unmittelbar eine zunehmende Sichtbarkeit und ist zugleich auch Hinweis auf eine gewisse Nachhaltigkeit. Die zugrundeliegende Datenbank AIDI wie auch die jährlich erscheinende Zeitschrift «Margini» werden seit Jahren regelmässig von einer zunehmend grösser werdenden Anzahl von Besuchern und Lesern konsultiert. Eine Bewertung dieser Art von Zugriffsstatististiken unter Aspekten der Qualitätsmessung ist schwierig. Eine bekannte und in den Naturwissenschaften, der Medizin und den experimentell-empirischen orientierten Sozial- und Verhaltenswissenschaften weit verbreitete Methodik ist die bibliometrische Qualitätsmessung über Zitations- und Zeitschriftenrankings. Ihr zentraler Anspruch ist eine einfache und transparente Messung der “internationalen Sichtbarkeit”, soweit sie sich abbilden lässt durch Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und in der Zahl der Zitationen dieser Publikationen. Fachübergreifende Datenbanken wie das Web of Science und Scopus sowie die dort generierten Indikatoren wie der personenorientierte h-Index oder der zeitschriftenorientierte Impact Factor sind in weiten Bereichen der Wissenschaften quasi zum Standard der Qualitäts- und Leistungsmessung geworden. Der Impact Factor (IF) oder genauer Journal Impact Factor einer Fachzeitschrift basiert auf einer Statistik darüber, wie oft andere Zeitschriften einen Artikel aus ihr in Relation zur Gesamtzahl der dort veröffentlichten Artikel zitieren. Werden beispielsweise in einer Zeitschrift 25 Artikel pro Jahr veröffentlicht und die in dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikel werden im Jahr 50 Mal zitiert, so resultiert für diese Zeitschrift ein IF von 2.0. Generell gilt nun die vermeintlich “einfache” Regel: Je höher der IF, desto angesehener ist eine Fachzeitschrift. Im Web of Science werden die erfassten Fachzeitschriften zusätzlich in inhaltliche Kategorien zusammengefasst, auch zur Nutzung im Sinne einer relativen Vergleichbarkeit. Dazu einige Illustrationen: Beispielsweise umfasst die Kategorie “History” für das Jahr 2009 insgesamt 32 Zeitschriften, deren IF variiert zwischen einem höchsten Wert von 2.11 («American Historical Review»), über 0.75 als zweithöchsten Wert bis zu einem Wert von 0.03 als niedrigstem Wert. Die Kategorie “Psychology, Psychoanalysis” umfasst für das Jahr 2009 insgesamt 12 Zeitschriften, deren IF variiert zwischen einem höchsten Wert von 5.37 («Psychotherapy and Psychosomatics»), über 1.24 als zweithöchsten Wert bis zu einem Wert von 0.16 als niedrigstem Wert. In der Kategorie “Neurosciences” sind insgesamt 231 Zeitschriften erfasst, deren IF variiert zwischen einem höchsten Wert von 26.48 («Nature Reviews Neuroscience»), über 24.82 als zweithöchsten Wert bis zu einem Wert von 0.04 als niedrigstem Wert. Eine Kategorie für literaturwissenschaftlich orientierte Zeitschriften existiert im Web of Science nicht. Die Übertragung dieser Betrachtungsweise auf die Geistes- und Kulturwissenschaften im Allgemeinen oder auf eine Zeitschrift wie «Margini» im Speziellen ist aus verschiedenen Gründen offensichtlich nicht möglich (vgl. dazu auch die Beiträge im «Bulletin», 2011, 2 der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften). Weder die Anzahl der Besuche noch die Angaben über die Anzahl und Dauer der mit den Materialien interagierenden Besucher sind normierte und damit vergleichbare Daten, die in einfacher und transparenter Weise als valide Qualitätsindikatoren interpretiert werden können. Leider sind keinerlei Angaben darüber vorhanden, welche Materialien und insbesondere welche Zeitschriftenbeiträge aus «Margini» wie häufig heruntergeladen werden (most downloaded article). Unbestreitbar ist allerdings das Faktum, das nahezu 1000 Interaktionen pro Jahr länger als 15 Minuten dauern. Eine grosse Anzahl von Personen setzt sich regelmässig und intensiv mit den Webseiten von AIDI und/oder «Margini» auseinander. Andersherum formuliert: Die unter AIDI und/oder «Margini» zu findenden Materalien sind insofern international sichtbar, dass auf sie Jahr für Jahr, Monat für Monat und Tag für Tag von vielen Personen weltweit aktiv und zielgerichtet zugegriffen wird.

K. O.






Literaturangaben

Gasteiner – Haber 2010
M. Gasteiner – P. Haber (Hrsg.), Digitale Arbeitstechniken für die Geistes- und Kulturwissenschaften, Wien – Köln – Weimer, Böhlau Verlag, 2010.

Müller 2010
U. Müller, Open Access. Eine Bestandaufnahme, in Gasteiner – Haber 2010, S. 185-201.

SAGW 2011
SAGW (Hrsg.), Dossier: Qualitäts- und Leistungsmessung in den Geisteswissenschaften, in «Bulletin», Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, 2011, 2, S. 35-55.